Weiterbildung zum Arbeitsmedizinischen Assistent/in

Arbeitsmedizinische Assistenten beraten nach ihrer Weiterbildung Werks- und Betriebsärzte. Sie sind Experten in Fragen zum Arbeitsumfeld, bei Arbeiten mit gefährlichen Betriebsstoffen oder großen Belastungen am Arbeitsplatz. Das können neben physischen Belastungen auch psychische, chemische oder biologische Belastungen sein. Sie helfen bei der Organisation von Rehabilitation und Wiedereingliederung nach schweren Krankheiten oder auch bei der Umsetzung betrieblicher Schutzmaßnahmen. Dazu gehören die Prävention, der Ablauf der Untersuchungen im Innen- und Außendienst und auch die Auswertung der Ergebnisse. Falls erforderlich, werden dem Arzt Therapievorschläge unterbreitet.

Der Arbeitsmedizinische Assistent arbeitet nach seiner Weiterbildung eng mit der Krankenkasse zusammen und ist kommunikatives Bindeglied zwischen der Krankenkasse, dem Arzt und den Patienten. Daneben sind medizinische Assistenztätigkeiten üblich wie Hörtest, Blutentnahme, Sehtest, Augeninnendruckmessung, Ruhe-EKG, Lungenfunktionstest, Psychometrischer Reaktionstest und weitere. Auch die Abrechnung nach GOÄ/DGUV gehört zu den Aufgaben der Arbeitsmedizinischen Assistenten.

 

Für welche Berufe bietet sich eine Weiterbildung zum/zur Arbeitsmedizinischen Assistent/in an?

Voraussetzung für die Weiterbildung zum Arbeitsmedizinischen Assistenten ist eine vorhandene Ausbildung in einem medizinischen Assistenzberuf. Beispielsweise wird sie Arzthelfern und Arzthelferinnen angeboten, die sich zum/zur Arztfachhelfer/in weiterbilden möchten. Zusätzlich gilt eine mindestens dreijährige Tätigkeit im arbeitsmedizinischen bzw. betriebsmedizinischen Bereich als Voraussetzung.

 

Aufbau und Inhalte der Weiterbildung zum/zur Arbeitsmedizinischen Assistent /in

Die Inhalte der Weiterbildungen sind sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich allerdings in Intensität und Lernumfang. Dies ist auch an der unterschiedlichen Weiterbildungsdauer erkenntlich. Grob am Curriculum der Bundesärztekammerorientiert, sind folgende Inhalte erforderlich:

  • Kommunikation
  • Motivation
  • Arbeitsmedizin innerhalb des Systems der sozialen Sicherheit
  • Gefährdungsbeurteilung und Vorsorge
  • Gesundheitliche Prävention im Betrieb
  • Organisation und Administration
  • Diagnostische Verfahren (Augen, Ohren, Herz-Kreislauf und Lunge)

Die folgende detaillierte Aufstellung orientiert sich an der vierwöchigen Weiterbildung des Verbandes für Arbeitsmedizinisches Fachpersonal VAF.

 

Abschnitt 1

 

Organisation betriebsärztlicher Dienste

In diesem Abschnitt werden die Vorschriften zur Einrichtung und Organisation betrieblicher Dienste unterschiedlicher Größe erlernt. Dazu gehören auch Hygienemaßnahmen, persönliche Schutzkleidung, Desinfektion, Entsorgung und ähnliches.

 

Anforderungen und Qualifikationen

Die Voraussetzungen an eine Qualifikation des Personals (Ärzte und Assistenz) sind ebenso wie die Anforderungen an Einrichtungen, Geräte und Ausrüstungen Inhalt des zweiten Abschnittes. Weitere Themen sind beispielsweise TQM und Qualitätssicherung, Zertifizierungen und Anforderungen an Arbeitsstätten.

 

Erste Hilfe und Notfall

Die betriebliche Organisation des Rettungswesens, Katastrophenschutz, Störfälle, Gefahrenabwendung, Umwelt und Zusammenarbeit mit externen Rettungsorganisationen sind Themen dieses Unterrichtsabschnittes.

 

Verwaltung und EDV

Die EDV- Anwendung im Betriebsärztlichen Dienst mit Ausrüstung, Dokumentation, Erfassung, Auswertung und Weitergabe von Befunden ist ein wichtiger Bestandteil dieses Lernabschnittes der Weiterbildung. Auch Datenschutz und die Einhaltung der ärztlichen Schweigepflicht gehören dazu.

 

Medizinischer Gesundheitsschutz

Welche Möglichkeiten hat die betriebsärztliche Praxis und wo sind ihre Grenzen? Vorschriften zur Zusammenarbeit innerhalb des Betriebes und extern zu Krankenkassen, Sozialpartnern und anderen Ärzten werden vermittelt.

 

Arbeitsmedizinische Vorsorge

Hierzu gehören die einschlägigen gesetzlichen Grundlagen, der Untersuchungsauftrag des Betriebsarztes und die Pflichtuntersuchungen, Angebots- und Individualuntersuchungen sowie eine Gesundheitsaufklärung. Neben Handlungsstrategien werden auch Schutzvorschriften, Reise-Prophylaxe und Impfungen behandelt.

 

Abschnitt 2

Soziales Netz

In diesem Unterrichtsabschnitt erarbeiten Sie die Grundlagen des sozialen Sicherungssystems und die Inhalte des SGB (Sozialgesetzbuchs). Sie lernen die Versicherungen dazu kennen (Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung) sowie die Versicherungsträger.

 

Berufskrankheiten

Alle gesetzlichen Vorschriften und Verordnungen werden erklärt. Zur Verhütung, Erkennung und Entstehung sowie einer Bekämpfungsstrategie werden Beispiele durchgespielt.

 

Rehabilitation nach Krankheit und Unfall

Welche medizinische Rehabilitation ist erforderlich, stationäre und teilstationäre Rehabilitationen und Wiedereingliederung in den Betrieb sind einige der Themen dieses Lernabschnittes.

 

Betreuungsauftrag für bestimmte Personengruppen

  • Jugendarbeitsschutz,
  • Mutterschutz,
  • chronisch kranke Mitarbeiter,
  • ältere Arbeitnehmer,
  • leistungsgewandelte Arbeitnehmer

 

Funktionen staatlicher Überwachung

Die Aufgaben dieser staatlichen Stellen werden besprochen:

  • Gewerbeaufsicht der Länder mit ihrem Auftrag zum Arbeits- und Gesundheitsschutz
  • staatliche Gewerbeärzte
  • DGUV (Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung)
  • BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin)
  • Fachausschüsse
  • Präventionsausschüsse

 

Biomonitoring am Arbeitsplatz

Hierzu gehören die Methoden und die Erfassung von Messungen der physischen, psychischen, chemischen und physikalischen Belastungen am Arbeitsplatz.

 

Abschnitt 3

Gefahrstoffe und biologische Arbeitsstoffe

Gesetzliche Regelungen und Hilfsmittel zur Erfassung, Gefährdungsanalysen und statistische Auswertungen sind Themen dieses Abschnittes.

 

Aspekte der Arbeits- und Betriebspsychologie

Zu diesem Thema werden die Eignung und Leistungsbereitschaft, Motivation sowie Belastung, Über- oder Unterforderung und Mobbing behandelt. Suchtprobleme, Kommunikation und psychologische Unfallverhütung sind ebenfalls wichtige Themen.

 

Gesundheitsmanagement im Betrieb

Zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gehören beispielsweise Themen wie Ethik und Verantwortung, Betriebshygiene, Beratungskonzepte, sichere Verhaltensweise und auch Kantine, Sanitärräume und Wohnheime.

 

Prävention

Konzepte, die Anpassungen der Arbeit an den Menschen beinhalten und die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes sind Inhalte der Prävention.

 

Grundlagen der Arbeitsphysiologie Teil1

Neben der Physiologie (Funktionsweisen des Körpers) wird auch die Pathophysiologie, also die krankhaften Veränderungen der Funktionsweisen, dargestellt. Unter anderem werden in Teil 1 die Knochen, Bänder, der Muskelstoffwechsel mit Belastung und Überbelastung dargestellt. Dazu gehören auch Beanspruchungsreaktionen und Kompensationsmechanismen bei arbeitsbedingten Erkrankungen.

 

Abschnitt 4

Grundlagen der Arbeitsphysiologie Teil2

Im zweiten Teil geht es um das Nervensystem, Koordination der Bewegungen, Reaktionsfähigkeit, Energetik, Leistungsgrenzen und Kompensationsmechanismen des Körpers bei arbeitsbedingten Erkrankungen.

 

Arbeitszeitgestaltung und Arbeitsformen

Modelle der Arbeitszeitgestaltung und moderne Formen der Arbeitsorganisation stehen im Mittelpunkt dieses Kapitels. Schicht- und Wechselschichtarbeit, Nachtarbeit, Gleitzeit- und Akkordarbeit sind einige der dargestellten Arbeitsformen.

 

Arbeitsschutz im Betrieb

Die Rechte und Pflichten von

  • Betriebsärzten
  • Sicherheitsfachkräften
  • ASA (Arbeitssicherheitsausschuss)

und deren Zusammenarbeit im Betrieb werden beleuchtet. Dazu kommen Gefährdungs- und Arbeitsplatzanalysen.

 

Betriebsbegehung

Was gehört aus technischer und arbeitsmedizinischer Sicht zur Betriebsbegehung, wie wird sie vorbereitet, durchgeführt und ausgewertet.

 

Neuerungen im Arbeitsschutz

Alle technischen und medizinischen Neuerungen werden besprochen. Dazu gehören neben aktuellen Themen aus der Arbeitsmedizin auch geplante Gesetzesänderungen, Aussichten und Perpektiven.

 

Berufliche Möglichkeiten für medizinische Assistenten nach einer Weiterbildung zum/zur Arbeitsmedizinischen Assistent /in

Jeder Arbeitsmediziner, Werksarzt oder Betriebsarzt benötigt einen Arbeitsmedizinischen Assistenten. Dieser hält dem Arzt den Rücken frei und übernimmt die Organisation und Dokumentation aller erforderlichen Aktivitäten und Ereignisse. Der gesamte Geschäftsbetrieb wird von einem Arbeitsmedizinischen Assistenten am Laufen gehalten. Auch ein Einsatz in den Berufsgenossenschaften ist denkbar. Sie sind als Körperschaften öffentlichen Rechts (im Auftrag des Staates) die Träger der Krankenkassen. Manche Berufsgenossenschaften bieten einen eigenen Arbeitsmedizinischen Dienst für die betriebliche Vorsorge an, beispielsweise die Berufsgenossenschaft Bau. Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten übernehmen die Berufsgenossenschaften Kosten, erlassen aber auch Unfallverhütungsvorschriften.

 

Eine Weiterbildung zum/zur Arbeitsmedizinischen Assistent /in wird beispielsweise angeboten von:

  • Technische Akademie Esslingen TAE: Qualifikation arbeitsmedizinischer Assistentinnen/Assistenten (in Ostfildern) zur Webseite 
  • Verband Arbeitsmedizinisches Fachpersonal VAF e.V. (Berufsverband des arbeitsmedizinischen Assistenzpersonals): Arbeitsmedizinische/r Assistent/in – VAF e.V. (vorausgesetzt wird bei der Vergabe eine Mitgliedschaft im VAF) und Sachkundebescheinigung (in Düsseldorf, Saarbrücken, Dresden, Freiburg) zur Webseite
  • Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte e.V. VDBW: Weiterbildung zumArbeitsmedizinischen Assistenzpersonal (in Ettlingen) zur Webseite
  • CQ Beratung + Bildung GMBH: Weiterbildung in Arbeitsmedizin (in Berlin und Ludwigshafen) zur Webseite
  • Bundesärztekammer: Weiterbildung in Arbeitsmedizin, Betriebsmedizin (in Berlin) zur Webseite

 

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